….und was Helmut Kohl damit zu tun hat

 

Egal, wie man es dreht und wendet: ich feiere 2019 meinen sechzigsten Geburtstag. Und da hat man entweder viele Erfahrungen gesammelt. Oder ein ganz eintöniges und langweiliges Leben geführt.

Bei mir waren es Erfahrungen.

Eigentlich auch klar, dass viele meiner Kunden nur die Ernährungswissenschaftlerin kennen. Wenn ich dann über meine Berufserfahrung im „ersten Leben“ spreche, sind sie oft überrascht.

Daher fand ich die Idee von Birgit Schultz genial, einfach mal die Fakten zu teilen, die nur ganz wenige Menschen kennen.

Ja, Menschen, die mit mir arbeiten wollen, kennen mich in der Regel von meiner Website, meinem Facebookprofil/Fanpage und von Erstgesprächen via ZOOM. Das ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt. Und als ich diesen Artikel geschrieben habe, wurde mir erst klar, wie sehr mein heutiges Leben von der Vergangenheit geprägt wurde.

Deswegen gibt es hier eine jetzt eine Auswahl, die natürlich nicht vollständig ist.

Danke, Birgit, für die Inspiration und danke an die Menschen, die Dich dazu inspiriert haben

 

  1. Als Kind/Teenager wollte ich Balletttänzerin oder Reitlehrerin werden.

Ja, wenn ich ein Hobby hatte, dann zu 200%. Zuerst war es Ballett, dann die Pferde. Das mit der Lehrstelle zur Bereiterin hat sogar fast geklappt – aber die Gestütsleiterin, eine echte Gräfin, hat mich zur Seite genommen und gesagt: „Mädchen, du bist doch intelligent. Als Bereiterin bist du Fußabtreter für jedermann. Und es gibt viele Arschlöcher unter den wohlhabenden Pferdebesitzern….“ Dafür bin ich ihr heute noch dankbar.

 

  1. Ich habe Mathe gehasst und trotzdem 25 Jahre im Rechnungswesen gearbeitet

Ja, mein erstes Studium war BWL. Eigentlich hatte ich mit Mathematik immer auf Kriegsfuß gestanden, deswegen war es eine Fügung des Schicksals, dass ich im Rechnungswesen gelandet bin. Ich war wohl auch gut, habe aber niemals dafür „gebrannt“. Ich habe dann noch den MBA Abschluss gemacht (Thema: Risk Management), promoviert (Thema: Information Overload) und PMP zertifiziert – egal was, ich konnte dem Controlling nicht entkommen. Bis ich die Firma verlassen habe.

 

  1. Ich habe 3 Jahre in Peking gelebt und gearbeitet

Das war als 3 Wochen Entsendung geplant. Ein Kollege aus der Schweiz, der mich im Büro in Peking begrüßte, hat nur gelacht, als ichGeschichte - Peking sagte, dass ich die nächsten 3 Wochen da bin. „Bis dahin hast du dir vielleicht einen Stuhl organisiert. Wir sprechen in 3 Jahren nochmal darüber…“ 3 Jahre später, als ich ein Abschiedsessen gab, meiner er nur: „Habe ich dir doch gleich gesagt.“ Dann ging es 1 Jahr nach Sao Paolo, Brasilien. Ich habe es (zuerst) gehasst. Jeder hat jeden umarmt und abgeküsst und ich war noch auf chinesische Zurückhaltung eingestellt. Aber auch an den Körperkontakt unter Fremden habe ich mich gewöhnt.

 

  1. Ich war die erste Führungskraft in unserer Firma, die virtuell gearbeitet hat

Ich war zunächst die erste Mitarbeiterin in Deutschland, die an einen Vorgesetzten in England berichtet hat. Das war ein Riesenakt und ich hatte lange Diskussionen mit dem deutschen Betriebsrat. 5 Jahre später war es kein Thema mehr. Genau so mit meinen Teams: ich hatte etwas 25 Mitarbeiter, ein komplett virtuelles Team. Zeitweise ohne einen einzigen Mitarbeiter in Deutschland. Das hat meistens super geklappt, aber manche meiner Mitarbeiter kamen damit nicht klar. Und haben sich nach anderen Positionen umgesehen. Durch den Kostendruck und Einsparung von Reisekosten habe ich manche meiner direkten Mitarbeiter niemals persönlich getroffen.

 

  1. Eine unerwartete Steuerrückzahlung hat das Zweitstudium finanziert

Nach dem China Aufenthalt habe ich meine komplette in Deutschland abgeführte Lohnsteuer zurückerhalten. Ich war nicht steuerpflichtig, da ich die meiste Zeit in Peking war. Ich wollte mit dem Geld etwas Sinnvolles anfangen und habe dann davon mein Studium der Ernährungswissenschaften finanziert. Seit einer massiven Essstörung hatte ich alles über Ernährung gelesen, was mir in die Finger kam. Und wollte eigentlich nur einige Kurse belegen, als ich für einige Zeit in den USA war. Es war nicht geplant, eine zweite Doktorarbeit zu schreiben. Obwohl, nach der Ersten habe ich manchmal gedacht, wie toll es doch wäre, zum Thema Ernährung zu forschen. Mega viel Arbeit, vor allem, weil mein Sabbatical zu Ende ging. Aber es hat so viel Spaß gemacht, dass ich keine Zeile bereue.

 

  1. Ich bin Yogalehrerin – bekomme aber bis heute keine Krähe hin

Ja, ich hatte oft Stress und habe deswegen eine Yogalehrerausbildung gemacht. Nicht unbedingt, um zu unterrichten, sondern um selbst leichter zu entspannen. Es wurmt mich bis heute, dass ich immer noch keine Krähe hinbekomme….

 

  1. Katastrophen Queen und was Helmut Kohl damit zu tun hat

Manchmal bin ich so tollpatschig, wie mein 70 kg Doggenbub. Es gibt ein Jahr (1994), da lief es besonders blöd: 2 Zahn-OPs, Autounfall, beim Spülen eine Glasschüssel zerbrochen und die Hand aufgeschlitzt. Und last, but not least, das Heldenstück: ich habe mir meine Mikrowelle in die Luft gejagt und dabei eine Augenbraue aufgeschlitzt. Sehr lange Geschichte und ich hatte Lachkrämpfe, auf dem Weg in die Klinik. Ich war als Schussverletzung angekündigt worden….An dem Tag war Herr Kohl in Koblenz und es hatte wohl Attentatsdrohungen gegeben. Aber, wie gesagt, sehr lange Geschichte. Mein damaliger Vorgesetzter, den ich nicht allzu häufig Face-to-Face sah, kannte mich in diesem Jahr nur mit blauen Flecken, genähten Wunden, geschwollenem Gesicht und immer wieder Verbände….

 

  1. Ich liebe Pferde und Hunde

Ich wollte irgendwann mal, wenn es der Job erlaubt, ein Pferd und einen Hund haben. Das mit dem Reiten hat sich nach einer Bandscheiben OP erledigt. Aber jetzt habe ich 2 Deutsche Doggen. Scheint mir ein fairer Kompromiss zu sein.Pferde, Hunde - Hauptsache große Tiere

 

  1. Ich war nie verheiratet und hatte nie Kinder

Nein, ich bin nicht verheiratet, war es nie und habe keine Kinder. Irgendwie hat es nie gepasst und irgendwann wollte ich keine Kompromisse mehr eingehen. Was dabei weh tut: viele Freundschaften schlafen ein, weil man als alleinstehende Frau immer misstrauisch beäugt wird. Und Kinder als Gesprächsthema für mich auf Dauer halt nicht so spannend sind. Dafür hat meine Schwester 5 tolle Kinder, die heute alle erwachsen sind. Die konnte ich mir ausleihen, wenn ich Lust auf Kinder hatte. Und wusste immer, ich kann sie ja abends zurückgeben.

 

  1. Ich habe zwischen meinem 16. und 38. Lebensjahr geraucht

Aber richtig! Bis zu einer Schachtel am Tag. Ich habe mich zwar damals schon gesund ernährt und Sport getrieben. Bei einer Untersuchung hat der Arzt den Kopf geschüttelt, weil laut seiner Software mein Risiko an Herz Kreislauferkrankungen zu sterben, geringer war als beim Durchschnitt. Das Lungenkrebsrisiko war natürlich da. Die Eitelkeit hat mich dann überzeugt: Raucherinnen altern schneller. Da habe ich den kalten Entzug gemacht.

 

  1. Ich bin kamerascheu

Auf meiner ersten Website gab es EIN kleines Foto von mir.

Videos? Der ultimative Horror. Schon in meinem Controlling Job habe ich nicht gerne im Mittelpunkt gestanden. Ich habe mich sehr unwohl gefühlt, als ich 3 Jahre hintereinander auf einer großen Konferenz auf Hawaii (Oahu, Maui und Big Island, um genau zu sein) Präsentationen geben „musste“. Die Location war traumhaft und nur dafür habe ich mich überwunden.

Heute, als selbstständige Beraterin, MUSS ich sichtbar sein. Und finde es nicht mehr ganz so schlimm.