Die ist der erste Artikel einer Serie über Yoga, speziell über den gesundheitlichen Nutzen von Yoga.

Alle, die sich auch nur ansatzweise mit Yoga befasst haben, wissen, dass Yoga mehr ist, als eine Reihe von abgefahrenen und spektakulären Positionen oder Asanas, die von sehr beweglichen Menschen durchgeführt werden.

Aber selbst, wenn man sich nicht so ins Thema vertiefen will, kann man sich einige der Rosinen rauspicken.

Es gibt einzelne Übungen, von denen jeder profitieren kann. Gerade wenn wir älter werden, aber trotzdem fit bleiben wollen. Im Kopf und im Körper.

Den Start mache ich heute mit dem Thema „Balance“.

 

Was ist denn Balance überhaupt?

 

Balance heißt ja nichts anderes als Gleichgewicht. Und bei Wikipedia bekommst Du einen Überblick in welchen Bereichen wir diesen Begriff verwenden:

in der Politik, der Ökologie, der Wirtschaft, eigentlich bei allen Systemen, die in Bewegung sind.

Für den Menschen besonders wichtig sind:

  1. Das psychische Gleichgewicht, oder die Gelassenheit. Wenn wir mit uns und unserem Leben im Reinen sind, wenn die Work-Life-Balance stimmt, wir in einem stabilen Umfeld leben, dann können wir gelassen sein. Oder gelassen reagieren. Das ist natürlich der Wunsch vieler Menschen, aber schwer auf Dauer zu halten. Unsere Umwelt, unser ganzes Leben, werden immer hektischer, komplexer und schneller. Veränderungen sind normal. Gelassenheit kommt aber oft mit zunehmendem Alter, also etwas worauf wir uns freuen sollten.
  2. Der Gleichgewichtssinn, Feststellung der Körperhaltung und Orientierung im Raum. Oder anders ausgedrückt: die Fähigkeit auf einem Bein stehen zu können, ohne umzufallen. Das geht mit zunehmendem Alter oft verloren, lässt sich aber trainieren.

 

Warum sollte man sich über Balance Gedanken machen?

 

Wenn Du mal versucht hast, etwas Schweres zu tragen, wirst Du es selbst feststellen: wenn der Schwerpunkt des Gegenstandes nahe am Körperschwerpunkt ist, scheint der Gegenstand leichter zu sein.Balance durch Schwerpunkt

Deswegen tragen in bestimmten Regionen der Welt Menschen (Frauen, müsste ich wohl sagen) schwere Körbe auf dem Kopf

 

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Warum das für uns wichtig ist, merkt man spätestens dann, wenn aus irgendwelchen Gründen dieser Gleichgewichtssinn gestört ist.

Mit zunehmendem Alter ändern sich Muskulatur und Körperhaltung und dadurch verschiebt sich der Körperschwerpunkt.

Gleichzeitig lassen Koordinationsfähigkeit, Beweglichkeit und Kraft nach, es fällt also schwerer, das Gleichgewicht zu halten. Schlimmstenfalls kommt es dann zu Stürzen, die gerade im fortgeschrittenen Alter komplizierte Knochenbrüche zur Folge haben können.

Aber soweit muss es nicht kommen.

Ob man jetzt Yoga praktiziert oder den Körper mit anderen Sportarten trainiert: die Hauptsache man wird aktiv.

Aber Yoga hat zweifellos einige Vorteile:

Man trainiert ja in der Regel barfuß. In den Fußsohlen haben wir einige Sensoren, die auch ganz subtile Bewegungen wahrnehmen, wenn wir das Gewicht verlagern. Barfuß werden diese Mechanorezeptoren eher angeregt und machen unsere Bewegungen genauer. Außerdem werden dadurch unsere Füße, Unterschenkel gekräftigt. Also, ruhig mal die Schuhe ausziehen und barfuß laufen, wenn der Untergrund geeignet ist.

 

Zwei Arten von Balance Posen im Yoga

 

Im Yoga kennen wir einmal die stehenden Positionen, wie der Baum oder Krieger 3, die ganz intensiv die Stabilität, und Propriozeption  (Wahrnehmung von Körperbewegung und -lage im Raum) trainieren. Für die Nicht-Yogis: beides sind Positionen, bei denen man auf einem Bein steht.

Und ich gestehe: als ich vor mehr als 20 Jahren mit Yoga angefangen habe, war der Baum die erste Übung. Und ich bin fast gescheitert. Dachte, ich bin zu dumm, um auf einem Bein zu stehen. Und dann sollten wir das Ganze mit geschlossenen Augen praktizieren. Da war ich draußen….

In der Zwischenzeit habe ich es gelernt, finde es aber immer noch eine Herausforderung. Besonders an solchen Tagen, wenn mein restliches Leben nicht im Gleichgewicht ist.

Der zweite Übungstyp sind die Arm-Balance Übungen, wie Side Plank und Crow (Krähe, siehe Bild am Artikelanfang). Bei diesen Übungen braucht man die Koordination und Kraft von Ober und Unterkörper.

Auch hier ein Geständnis: die Krähe bekomme ich auch heute nur für wenige Sekunden hin…..

 

Was Balanceübungen für unseren Körper tun

 

  • Balanceübungen trainieren Füße, Fußgelenke, Knie, Oberschenkel und Hüften. Und keine Sorge, wenn Du rumwackelst, weil Du noch nicht standfest bist. Dann wird gerade die Tiefenmuskulatur trainiert.
  • Die Übungen kräftigen auch gleichzeitig den gesamten Rumpf, also Bauch, Rücken, Hüften und Gesäß. Damit verbessert sich unsere Haltung.
  • Balanceübungen verbessern die Wahrnehmung des eigenen Körpers oder Propriozeption.
  • Das Training verbessert Körperkontrolle, und Effizienz der Bewegungen. Das heißt, wenn wir durch einen schmalen Durchgang gehen, stoßen wir nicht an.
  • Es verbessert die Koordination der Bewegungen, Beweglichkeit, Geschwindigkeit und Kraft.
  • Durch all das wird das Verletzungsrisiko reduziert, gerade die Gefahr von Stürzen nimmt ab.
  • Balancetraining lässt uns zur Ruhe kommen. Wenn der Kopf noch voll ist und die Gedanken sich im Kreis drehen, fällt es extrem schwer auf einem Bein zu stehen.
  • Last, but not least: das Training hilft einem, Durchhaltevermögen zu entwickeln. Spätestens dann, wenn man zum ersten Mal den Krieger 3 halten kann, gibt einem dies ein Erfolgsgefühl.

 

Was Balancetraining für unser Gehirn tut

 

  • Wenn man verschieden Balanceübungen hintereinander trainiert, wird das Gleichgewichtszentrum herausgefordert. Das trainiert nicht nur die Muskeln und das gesamte Bewegungssystem, sondern auch unser Gehirn.
  • Das Training stimuliert die Vernetzungen im Gehirn, die auch für mentale Effizienz wie Konzentration und Fokus verantwortlich sind.
  • Die neuromuskuläre Kommunikation wird verbessert und damit die Koordinationsfähigkeit. Ein heißer Tipp übrigens, für alle Menschen die beim Tanzen zwei linke Füße haben.
  • Das Training verbessert die Fähigkeit von allen Muskeln schnell auf Reize zu reagieren. Ja, auch das passiert nicht einfach von alleine.
  • Balanceübungen verbessern die Zusammenarbeit von Sinnesreizen über das Innenohr, Auge, und andere Hautsensoren. Hört sich überflüssig an, aber spätestens, wenn man seekrank wird oder unter Reiseübelkeit leidet, erkennt man die Bedeutung. Bei Seekrankheit sieht das Auge den stabilen Horizont, das Gleichgewichtsorgan meldet aber unruhige See. Uns wird übel.
  • Die Übungen helfen einem, abzuschalten. Wenn man nicht vollkommen auf die Position konzentriert ist, fällt man auf die Nase.
  • Und man traut sich mehr zu: wenn es einem nach wochenlangen Versuchen, einem blauen Auge und Nasenbluten endlich mal gelingt, die Krähe zu halten – das gibt einem ein tolles Gefühl. Auch wenn einen das Umfeld etwas seltsam anschaut, wenn man stolz verkündet: ich habe heute die Krähe gemacht….Und nein, das ist keine Position aus dem Kamasutra….

 

Ok, alles verstanden, aber wie geht es denn?

 

Übung macht den Meister. Aber es gibt ein paar Tricks:

  • Schaue fest auf einen Gegenstand oder Punkt, der sich natürlich nicht bewegen sollte. Ich stelle mich dann immer vor, meine Augen saugen sich daran fest. Oder beim Baum hilft das Bild von Wurzeln, die uns in der ErdeDer Baum - Balance durch feste Wurzeln
  • Versuche zuerst, die verschiedenen Posen zu halten, zwischendurch kurze Entspannung und RESET. Erst wenn Du sicherer wirst, solltest Du Dich an Übergänge wagen.
  • Achte darauf, dass Du Dich nicht verletzen kannst. Also weiche Unterlage und die Krähe eher vor einem weichen Sofa oder mit einem dicken Kissen üben.
  • Wenn Du umfällst oder das Gleichgewicht verlierst – stehe wieder auf und mach weiter.
  • Lasse Dir Zeit – in Hektik funktioniert das nie.
  • Auch wenn es am Anfang schwerfällt und Du keinen Fortschritt zu sehen scheinst: Dein Körper lernt. Nicht aufgeben.
  • Bei einigen Balanceübungen braucht man Muskelkraft. Viel Muskelkraft. Beim Sideplank zum Beispiel brauchst Du Kraft in den Armen. Da musst Du zuerst dran arbeiten.
  • Wenn Du sicherer wirst, kannst Du Dich auch an schwierigere Posen heranwagen.

 

 

Und wenn Du die Krähe hinbekommst, schicke mir bitte ein Foto.

 

 

 

 

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