Oder: Essstörungen kennen keine Altersgrenze

Meine eigene Essstörung als Teenager hat mich überhaupt erst dazu bewogen, Ernährungswissenschaften zu studieren. Damals, vor rund 15 Jahren, musste ich mich für ein Thema für meine Doktorarbeit entscheiden. Und da Essstörungen auch in meinem Erwachsenenleben immer irgendwo präsent war, sollte es dieses Thema werden:

“Essstörungen bei Frauen in der Lebensmitte“.

Aber meine Doktormutter riet ab: zu wenig Studien und eine vermutlich hohe Dunkelziffer hätten das Thema für eine Doktorarbeit viel zu zeitaufwendig gemacht. Aber wie hoch diese Dunkelziffer genau war, konnte keiner schätzen. Ein typisches Merkmal der meisten Essstörungen: die Betroffenen sind Meister im Verstecken. Was noch viele der Betroffenen gemeinsam haben: ein perfektionistischer Persönlichkeitstyp, geringes Selbstwertgefühl, externer Stress und der Wunsch, die Kontrolle über bestimmte Aspekte des Lebens zu erlangen.

Die Fassade ist meistens perfekt: ein perfekter, liebender Ehemann, tolle Kinder, manchmal schon süße Enkelkinder, erfolgreich im Job. Das perfekte Leben.

Aber tief innen drin ist immer ein verängstigtes kleines Mädchen, dass glaubt, nie gut genug zu sein.

Wie kommt es gerade in mittleren Jahren zu Essstörungen?

Oft ist die Veranlagung dazu schon lange da. Bei manchen Menschen bestand auch schon in der Jugend eine Magersucht oder Bulimie, die halt irgendwann überwunden war. Zumindest soweit überwunden, dass das Umfeld glaubte: alles wieder im Griff. So wie bei mir. Dazu kommt, dass in unserer Zeit ständig irgendwelche Diäten angepriesen werden und Übergewicht ein Problem ist. Daher wird es oft zunächst bewundert, wenn eine Frau anfängt, diszipliniert zu essen. Zunächst einfach nur bewusster und gesünder. Dann kommen vermeintliche Allergien und Unverträglichkeiten hinzu. Laktoseintoleranz, Gluten Intoleranz, vegane Ernährung. Und dann ist Intervallfasten plötzlich Trend – es wird immer mehr weggelassen, bis man schließlich in der Falle sitzt.

Gibt es denn Ereignisse, die Essstörungen auslösen können?

Ein Verlust oder Trauma wie der Tod eines geliebten Menschen, ein Beziehungsende, eine Scheidung oder eine lebensbedrohliche Krankheit sind einschneidende Erlebnisse, die manche Frauen gut verkraften. Andere aber gar nicht. Dazu kommt oft erhöhter Stress bei der Betreuung alternder Eltern sowie von Kindern und möglicherweise Enkeln. Oder die Kinder verlassen das Haus und das Nest ist plötzlich leer. Für viele Frauen entsteht damit auch eine innere Leere. Wir merken auch am Arbeitsplatz, dass Jüngere nachrücken und unseren Platz streitig machen. Auch wenn wir noch nicht an den Ruhestand denken: irgendwo lauert die Angst davor: die Angst, seine Identität, ja seine Daseinsberechtigung zu verlieren. Wenn man dann seinen Job verliert, ist das oft der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Plötzlich ist nichts mehr so, wie es war. Das Leben scheint außer Kontrolle zu geraten. Aber die eigenen Essgewohnheiten – die sind unter unserer Kontrolle. Und es kommen körperliche Veränderungen dazu: die Menopause. Man stellt mit Entsetzen fest, dass der Körper altert. Der Stoffwechsel verlangsamt sich, es entstehen Falten und die Haare werden grau. Das Seh- und Hörvermögen lässt nach und wir sind bei Weitem nicht mehr so belastbar, wie mit 20. Dies kann dazu führen, dass sich die Menschen schlecht fühlen, da sich ihr Aussehen von westlichen Schönheitsidealen wie Schlankheit und Jugend entfernt. In unserer Gesellschaft wird man als Frau ab einem bestimmten Alter unsichtbar. Gerade Frauen, die sehr attraktiv waren und auf Grund ihres Aussehens bewundert wurden, leiden darunter noch stärker als wir „Durchschnittsfrauen“.

Aber gehört das nicht zum Leben dazu?

Ja, absolut und jede einzelne von uns wird diese Ereignisse und Traumen durchleben. Das alles gehört zum Leben dazu und jemand der resilient oder widerstandsfähig ist, wird zwar auch zu kämpfen haben, aber mit den Krisen fertig werden. Erst wenn einige der Faktoren wie Perfektionismus, mangelndes Selbstwertgefühl. Lebensumstände, die eigene Geschichte und schmerzhafte Erlebnisse zusammen kommen, kann es zur mehr oder weniger ausgeprägten Essstörung kommen.

Oder, wie in meinem eigenen Fall, wenn schon in jungen Jahren eine Essstörung auftrat, kann man davon ausgehen, dass die Frau vorbelastet ist. Es wird auch vermutet, dass gerade Anorexia Nervosa genetisch bedingt ist, auch wenn das bisher nie eindeutig belegt werden konnte.

Was kann oder muss man tun?

Viele Frauen geben es erst mal gar nicht zu, dass sie ein Problem haben. Oder das Problem wird verdrängt. Oft ist es nicht so stark ausgeprägt, dass man die Krankheit auf den ersten Blick sieht. Im Gegenteil, sehr schlanke Frauen werden bewundert, weil es ihnen gelingt, die Figur zu halten. Und wenn mal jemand eine kritische Bemerkung macht, wird abgewunken: der oder die ist nur neidisch.

Man kann ein 14-jähriges Mädchen zur Behandlung zwingen, aber kaum eine 45-jährige Frau. Oft weiß das Umfeld gar nichts von dem Problem. In der Familie wundert man sich vielleicht über die seltsamen Essgewohnheiten.

Falls die Familie etwas bemerkt.

Oft ist dann, wenn das Umfeld aufmerksam wird, die Krankheit schon so weit fortgeschritten, dass man die Mangelerscheinungen sieht: nicht nur die überschlanke Figur, auch eine schlechte, fahle Haut, dünnere Haare, brüchige Nägel. Und gerade diese vermeintlich kosmetischen Probleme, die ja ein sicheres Zeichen sind, dass dem Körper vieles fehlt, sind oft der Auslöser um Hilfe zu suchen.

Es ist gefährlich

Um es nochmals zu betonen: die vermeintlichen Haut- und Haarprobleme sind äußerliche Anzeichen von ernsthaften Gesundheitsproblemen. Aber es besteht das viel größeren Risiko, gesundheitliche Schäden  zu entwickeln, die nicht mehr umkehrbar sind. Der Abbau der Muskulatur und damit Verlust von Kraft ist eines der ersten Zeichen. Damit geht aber der Stoffwechsel in den Keller und die Betroffenen müssen noch weiniger essen, um das niedrige Gewicht zu halten. Ein Teufelskreis. Magen-und Darmprobleme kommen oft schnell dazu.

Am gefährlichsten aber sind die Elektrolyt Verschiebungen und der Mineralstoffmangel. Das wird oft lange nicht festgestellt, selbst bei einer Blutuntersuchung nicht. Wenn dann die Frauen mal zum Arzt gehen…..Gerade der Kalzium Spiegel im Blut bleibt lange normal, da der Körper sich erst mal Kalzium aus den Knochen holt. Welche Folgen das hat, dürfte klar sein: Osteoporose. Wenn dann noch eine Veranlagung oder andere Risikofaktoren dazukommen, die einen Knochenabbau begünstigen, geht das erschreckend schnell. Und ist kaum noch umkehrbar. Wenn die Betroffenen dann noch Erbrechen, Abführmittel nehmen oder exzessiv Sport treiben, kann es zu lebensgefährlichen Elektrolytentgleisungen kommen, bis hin zum plötzlichen Herzversagen.

Als Teenager hat man noch einige Jahre, um diese Mangelerscheinungen auszugleichen, bevor der Körper anfängt, abzubauen. In der Lebensmitte hat der natürliche Abbau bereits begonnen und wird drastisch beschleunigt!

Mit Hilfe findet man leichter den Weg

Daher ist es wichtig, so schnell wie möglich Hilfe zu suchen. Die körperlichen Folgen von Essstörungen, wie Unterernährung und Nährstoffmangel, sind für „ältere“ Menschen (damit meine ich alle ab etwa 40) besonders gefährlich Um irreversible Schäden zu vermeiden, sollte man schnell Vitamine und Mineralstoffe ergänzen. Und dann mit Hilfe eines Ernährungsberaters, der sich mit der Problematik auskennt, zu einer Ernährungsform zu finden, mit der man gesund leben kann. Ohne gleich dick zu werden.

Das ist nämlich oft die größte Angst der Betroffenen.

Es ist ein schwieriges Thema und manche Frauen sind wirklich von Hause aus sehr schlank. Und werden oft “verdächtigt”, an Essstörungen zu leiden. Die haben aber ein normales Essverhalten.

Bei einer Essstörung wird Essen als etwas Bedrohliches gesehen und bedeutet Stress.

Man muss selbst erkennen, dass man ein Problem hat. Und sich dann Hilfe suchen. Diese Hilfe biete ich Dir. Ich lade Dich herzlich zu einem Erstgespräch ein. Dann können wir zusammen überlegen, wie Du aus der Spirale wieder rauskommst. Und ganz viel an Lebensqualität gewinnst.

Und glaube mir: es fühlt sich gut an, wenn man mit seinem Körper Frieden schließt und ihm hochwertige, leckere Nahrung gibt.

Essstörungen erfolgreich behandeln