Stress macht fett? Das glaube ich jetzt nicht

Viele meiner Kundinnen schütteln erst mal ungläubig den Kopf, wenn ich erkläre, dass Stress nicht nur zu Extrapfunden beiträgt, sondern auch für das von allen gehasste Bauchfett verantwortlich ist. “Stress an sich ist doch schon schlimm genug, und jetzt erzählst Du mir: Stress macht fett? Warum ist das so? Und noch wichtiger: was kann ich dagegen tun? Und zwar schnell, pronto…”so sprach eine sehr liebe Kundin, der fast Dampf aus Ohren und Nase kam, so angespannt war sie. Aber vorher erst mal Ursachenforschung:

 

Die vielen Rollen der Frauen

Gerade Frauen haben heute viele Rollen zu erfüllen: wir sollen gute Mutter, attraktive Ehefrau, und erfolgreiche Geschäftsfrau sein.

Wenn wir die vierzig erreichen, sind oft die Kinder schon aus dem Gröbsten heraus, aber die Eltern werden langsam alt und es kommen neue Verantwortungen auf uns zu.

Man bezeichnet uns auch als die „Sandwich“ Generation: wie der üppige Belag eines Sandwichs zwischen zwei Brotscheiben eingebettet ist, so sind wir eingezwängt zwischen der Verantwortung unseren Kindern (und manchmal Enkelkindern) gegenüber und der Verantwortung gegenüber pflegebedürftigen Eltern.

Wir sind eine Generation, die für die Vorfahren und die Nachkommen sorgen muss, ohne aber die Struktur und die Hilfe einer traditionellen Großfamilie zur Verfügung zu haben.

Aber selbst bei den größten Organisationstalenten, und Frauen sind extrem gut im Organisieren, sind der Druck und die Erwartungen an uns groß. Aber oft sind wir es selbst, die meinen immer perfekt sein zu müssen.

Dies macht sich natürlich auch körperlich bemerkbar. Lange kann man Stress ertragen, aber wenn Stress fett macht, sieht man es auch. Und das Stressfett im Bauchraum ist gefährlich für die Gesundheit und keinesfalls nur ein kosmetisches Problem.

 

Was passiert bei Stress?

In Stresssituationen schüttet der Körper vermehrt Stresshormone aus, unter anderem Adrenalin und Kortisol. Das ist eine gute Sache und veranlasst den Körper schnellstens Energie in Form von Zucker, Glukose, aber auch Fett bereitzustellen. Da ein Gramm Fett mehr Energie hat als ein Gramm Zucker, ermöglicht uns die Bereitstellung von Fett alle Reserven zu mobilisieren. So können wir  vor der Gefahr davonlaufen. So sah es die Evolution vor. Säbelzahntiger begegnen uns zwar nicht mehr, aber das Programm läuft noch genauso ab: Gefahr – Energie – kämpfen oder fliehen.

Fight or Flight  – Kämpfen oder weglaufen

In einer stressigen Situation wird zunächst Fett im Bereich der Leber angezapft. Hier kann es am schnellsten zur Leber transportiert werden und in den Energiekreislauf gelangen. Dieses Fett wird auch „Stress Fett“ genannt und ist normalerweise nicht gefährlich, wenn es denn dann auch tatsächlich verbrannt wird.

Nachdem die Stresssituation vorüber ist und das Gleichgewicht wiederhergestellt ist, muss der Körper seine Reserven auffüllen. Du wirst wahrscheinlich auch schon festgestellt haben, dass Du bei unmittelbarem Stress keinen Bissen runter bekommst. Aber anschließend, wenn die ganze Anspannung nachlässt, kommt ein Bärenhunger. Das macht auch Sinn, da normalerweise in der Gefahrensituation (und unser Körper signalisiert „Gefahr“ als ob unser Leben davon abhängt) viel Energie verbrannt wurde, die wieder ersetzt werden muss. Und der Körper verlangt jetzt Fett und Kohlehydrate oder ein Schokoriegel, der Beides enthält.

Anders sieht die Sache aus, wenn Adrenalin und Kortisol ausgeschüttet werden und die Stresssituation keine physische Reaktion erlaubt.

Das dürfte in unserem Leben eigentlich die Regel sein: wir merken, wie der Stresspegel steigt, müssen aber wortlos die Bemerkungen des Chefs runterschlucken oder sitzen bewegungslos für lange Zeit im Stau fest. Und fühlen uns als Versager, weil irgendjemand vielleicht wartet und sauer auf uns ist.

Stress macht fett

 

Bei diesem Szenario wird keine Energie verbrannt und trotzdem durchläuft der Körper den gesamten Prozess. Auch in dieser Situation bekommen wir, nachdem die Anspannung langsam nachlässt, Hunger. Das heißt also, dass Energiereserven mobilisiert, aber nicht verbrannt wurden und jetzt kommt noch Nachschub dazu. Das Bild oben zeigt den gesamten Stresskreislauf, die beiden unteren Punkte werden aber übersprungen.

Außerdem fühlen wir uns ausgelaugt und leicht depressiv, wir könnten also Streicheleinheiten vertragen. Da wir die aber nicht bekommen, helfen wir uns instinktiv mit Nahrungsmitteln wie Schokolade, die den Serotonin Spiegel ansteigen lassen. Wir produzieren also unsere eigenen Streicheleinheiten.

Wenn das über einen längeren Zeitraum wiederholt passiert, nehmen wir nicht nur zu, weil wir mehr essen als wir verbrennen. Nein, zusätzlich haben wir noch die mobilisierten „Stress Fett“ Reserven in unserem Bauchbereich. Die Vorräte werden da erst mal eingelagert. Unser Körper hat ja gelernt, dass der Stress Dauerzustand wird, daher werden die hochprozentigen Brennstoffe ganz in der Nähe abgelegt. Und wir wundern uns, warum der Hosenbund kneift und unsere Taille zu verschwinden scheint.

Wenn wir dann in mittleren Jahren sind, kommen noch andere Faktoren dazu: der Stoffwechsel wird träge, die Muskulatur baut sich ab und hormonelle Änderungen stehen an. Das sind alles Faktoren, die zur Gewichtszunahme beitragen können und sich schlimmstenfalls gegenseitig verstärken.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist: Schlafmangel! Wenn wir weniger schlafen, um zusätzliche Stunden zu gewinnen oder weil wir einfach nicht zur Ruhe kommen, rächt sich das bitter. Ghrelin und Leptin, 2 Hormone, die Hunger und Sättigung steuern, geraten aus dem Takt. Ghrelin lässt uns vermehrt essen, weil dem Organismus Schlaf fehlt. Und irgendwie will der Körper das ausgleichen. Leptin, dass Hormon, das uns signalisiert: hey, ist genug, ich bin satt, wird runtergefahren. Wir essen weiter. Und der Stress macht fett.

Obwohl Frauen stärker betroffen sind, bleiben auch die Herren der Schöpfung nicht verschont. Allerdings ist bei Männern die Gefahr eines Herzinfarktes zunächst noch höher. Der weibliche Organismus ist bis zum Einsetzen der Menopause weniger anfällig. Aber mit sinkendem Östrogenspiegel holen wir leider auf.

 

Was kann man dagegen tun?

Entspannung ist das Gegenteil von Stress und Entspannung hilft uns aus dem Kreislauf heraus. Aber jeder, der unter Stress leidet, weiß, dass dies nicht einfach ist. Es ist sogar recht schwer und nicht mal eben zwischendurch zu erledigen.

Bei Stress erhöhen sich Blutdruck und Herzschlag, und der gesamte Stoffwechsel ist auf Energieverbrauch eingestellt. Würden wir jetzt wirklich um unser Leben rennen, würde die bereit gestellte Energie verbraucht.

Das brauchen wir normalerweise nicht, aber jede körperliche Aktivität kann helfen. Einmal um den Block laufen, Treppen steigen, egal was. Das ist die beste Erste Hilfe Maßnahme. Ist das nicht möglich, helfen Atemübungen, die man auch unauffällig in einem Meeting machen kann. Du kennst sicher den Spruch:

Erst  mal tief durchatmen!

Das Wichtigste aber ist die eigene Einstellung  musst Du wirklich alles selbst erledigen oder kannst Du delegieren? Muss alles 100% perfekt sein? Wem fällt denn überhaupt auf, wenn es nur zu 80% perfekt ist?

Mache Dir klar, dass mittel-und langfristig Deine Gesundheit schwer leiden kann. Und wenn es erst zu Burnout oder gar Herzinfarkt kommt, muss es für lange Zeit ohne Dich gehen.

Aus genau diesen Gründen nimmt das Thema Stressmanagement und Entspannung einen wichtigen Platz in meinen Kursen ein. Ja, die meisten Kunden ärgern sich über Fettpolster und erst wenn sie verstehen: “Stress macht fett” denken sie nach.

Die Fähigkeit, gelassen zu reagieren macht zwar nicht kurzfristig schlank. Aber langfristig bilden Ernährung – Bewegung – Entspannung ein „Magisches Dreieck“, das vielmehr als nur schlank macht: wir fühlen und toll!

Magisches Dreieck