Albtraum Alter

Altern ist ein Vorgang, den wir (noch) nicht aufhalten, stoppen oder gar umkehren. Uns allen blüht in der Hinsicht ein identisches Schicksal: Ob Millionär oder Arbeiter, ob Sportler oder Couch Potatoe, ob groß oder klein – wir alle werden mit jedem Tag, jeder Woche und jedem Monat älter. Den Alterungsprozess kann man also nicht wirklich beeinflussen, aber zumindest steuern. In dieser Hinsicht gewinnt das „gesunde Altern“ immer mehr an Bedeutung. Dazu gehört in jedem Fall auch der Erhalt der körperlichen Fitness.

Egal wann Du in Rente gehst – eines ist klar: Jeder von uns möchte bis ins hohe Alter etwas von seinem Leben haben und es genießen können.

Und machen wir Mädels uns nichts vor: klar wollen wir alt werden, aber nicht alt aussehen. Die Kosmetikindustrie dankt uns mit stetigem Wachstum bei „Anti-Aging“ Mitteln.

Wir alle wollen unsere Lebensqualität möglichst lange aufrechterhalten und nicht im Altersheim vor uns dahinvegetieren.

Dies betrifft nicht nur körperliche Fähigkeiten (z.B. Selbstständigkeit, wie etwa sich selbst anziehen können oder die Einkäufe erledigen), sondern auch die kognitive Leistungsfähigkeit. Gerade Krankheiten wie Alzheimer sind der absolute Horror vieler Menschen.

Doch welche Rolle spielt körperliches Training im Falle des gesunden Alterns? Kann Kraftsport zur Erhaltung der Fitness dabei helfen, auch im Kopf fit zu bleiben? Und damit mehr von unserem Leben zu haben?

 

Alter, Fitness und geistige Leistungsfähigkeit

Altern tun wir alle, doch es liegt in unserer Macht zu entscheiden auf welche Art und Weise dies passiert. Es haben bereits mehrere Studien gezeigt, dass körperliche Fitness positiven Einfluss auf das Altern, sowie das Risiko von Demenz hat.

Diese Studien waren jedoch oft häufig nicht eindeutig in ihren Ergebnissen. Des Weiteren wurden die Effekte nur in Kurzzeitstudien gezeigt, jedoch nicht in länger andauernden Studien.

Bekannt ist, dass körperliche Fitness gut für das Herz ist (es heißt ja nicht umsonst „Kardiotraining“), aber ob es einen positiven Effekt auf die „kognitive Fitness“ hat, konnte bis dato nur unzureichend geklärt werden. Ergebnisse deuteten in diese Richtung – so ist beispielsweise bekannt, dass körperliche Aktivität den BDNF (von brain-derived neurothropic factor“) fördert, ein Faktor der für die Hirnfunktion wichtig ist. Aber der wissenschaftliche Beweis fehlte.

 

Wie definiert man Fitness?

Aber wieso gibt es so viel Verwirrung in dem Bereich?

Ein Grund dafür besteht darin, dass es sehr schwierig ist, die körperliche Fitness einheitlich und objektiv zu messen.

Oft haben Studienteilnehmer ihre Fitness selbst eingeschätzt. Und wer würde da von sich behaupten, dass er so fit wie ein Stein ist? Da werden schnell aus Couch Potatoes, die sich Sport im TV anschauen, Spitzenathleten.

Viele Studien sind aufgrund ihres Setups nicht 1:1 miteinander vergleichbar bzw. bieten Spielraum zur Interpretation. Und was ich leider immer wieder anprangere: oft nur an Männern durchgeführt. Die Studie, die ich euch hier vorstelle, ist da eine Ausnahme.

Gleichwohl gibt es viele Vitalparameter, die zur Messung von „Fitness“ herangezogen werden könnten: z.B. Herzschlag-Rate, VO2max Wert, körperliche Kraftwerte. Aber selbst dann muss man überlegen:

  • Sollten diese Variablen zusammenfasst werden?
  • Wie entscheidet man, welche Variablen in die Analyse einbezogen werden?
  • Wie werden genetische Faktoren berücksichtigt?

 

Die Studie

Dennoch haben sich Wissenschaftler des Kings College in London die Frage gestellt, ob körperliche Fitness mit kognitiven Veränderungen, sowie mit tatsächlichen Veränderungen im Gehirn einhergeht. Die Studie wurde 2016 im Journal of Gerontology veröffentlicht.

Zur Messung der körperlichen Fitness wurde als Maß die „Leg Explosive Power“ (LEP) gewählt. Man hat sich deswegen dafür entschieden, weil auch wenig aktive Menschen diese Kraft nutzen und die Beinkraft mit dem Alter stärker abnimmt, als Körperkraft insgesamt.

Bewegung statt Diät zur Fitness

Außerdem lässt es sich relativ einfach messen, so dass man es mit anderen Studien wiederholen und vergleichen kann.

Teilnehmer dieser Studie waren 324 weibliche Zwillingspaare mittleren und hohen Alters (44-73 Jahre, Durchschnittsalter: 55). Der Grund dafür ist klar: Es sollten möglichst viele Störfaktoren (z.B. Genetik und Kindheitsprägung) weitestgehend ausgeschaltet werden.

Insgesamt wurden die Tests zwischen 1999 und 2009 siebenmal durchgeführt.

Die Beinkraft der Teilnehmer wurde mit dem sogenannten Nottingham Power Rig, einer Art Beinpresse, getestet. Hierbei sollten die Teilnehmer das Pedal maximal nach vorne drücken.

Aus 3 Versuchen wurde der Beste gewertet. Zur strukturellen Veränderung im Gehirn wurden Magnet Resonanz Tomographische (MRT) Messungen durchgeführt. Aus diesen Daten wurde das Volumen bestimmter Gehirnareale vermessen.

 

Die Resultate

Die Forscher zeigen, dass die Beinkraft – über einen Zeitraum von 10 Jahren – einen starken Einfluss auf den „Schutz“ und die Erhaltung der geistigen Kapazität sowie die graue Hirnsubstanz ausübt.

Die Forscher kamen nach Auswertung der Daten zu folgendem Ergebnis:

“In this study of non-demented older female volunteer twins, we found consistent and strong evidence that increased leg power at baseline was associated with improved cognitive ageing over the following 10 years.”

Zu Deutsch „In dieser Studie an gesunden älteren weiblichen Zwillingen konnte ein starker Zusammenhang zwischen Beinkraft und verbessertem kognitiven Altern in einem Zeitraum von 10 Jahren nachgewiesen werden.“

Bei dieser Untersuchung handelt es sich gegenwärtig um die größte Studie in dieser Form, die einen positiven Einfluss von körperlicher Fitness und Kraft (hier: Beinkraft) auf die kognitive und geistige Leistungsfähigkeit aufzeigt. Damit kann anschaulich darstellt werden, wie ein gesunder Alterungsprozess aussehen kann.

 

Welche Fragen bleiben?

Fraglich bleibt, welche Rolle die Beinkraft als Variable auf die kognitive Ebene ausübt – es darf aber bezweifelt werden, dass es die Beinkraft alleine für den Effekt verantwortlich ist. Vermutlich sind viele weitere Lifestyle-Faktoren am Werk. Oder anders ausgedrückt: jemand, der auf seine körperliche Fitness achtet und daran arbeitet, wird auch sonst einen gesunden Lebensstil haben.

 

Was können wir lernen?

Fitness ist ein wichtiger Bestandteil des gesunden Lebens. Man fühlt sich nicht nur besser, sieht nicht nur besser aus, sondern altert auch würdevoller und „gesünder“.

Je älter wir werden, desto deutlicher machen sich Defizite auf körperlicher und geistiger Ebene bemerkbar. Dem altersbedingten Abbau kannst Du nicht begegnen, indem Du dich schonst. Das Gegenteil ist der Fall, der Körper will gefordert werden. Oder: use it or lose it.

Aus diesem Grund wird ein verstärkter Blick auf körperliche Aktivität und ein regelmäßíges Fitnessprogramm umso wichtiger, je älter wir werden.

Nur wer auch im hohen Alterfür seine Fitness etwas tut, kann seinen Lebensabend selbstbestimmt genießen. Eigenständiges Wohnen, das morgendliche Anziehen, das Erledigen der Einkäufe oder gar spielen mit den Enkeln – wenn der Körper nicht mehr mitspielt, geht das nicht mehr.

Worauf wartest du also, um mit dem Training zu beginnen? Es ist egal, wie fit oder wie wenig fit Du bist – es ist nie zu spät. Wenn ich jetzt Deine Neugier geweckt habe, sehr gut. Kontaktiere mich einfach für ein kostenloses Erstgespräch und Du kannst umgehend mit moderatem Training beginnen.

Abschließen möchte ich diesen Artikel mit einem Zitat des großen John F. Kennedy:

 

“Physical fitness is not only one of the most important keys to a healthy body, it is the basis of dynamic and creative intellectual activity.” – John F. Kennedy

Fitness ist für US Präsidenten wichtig

Das ist natürlich nicht John F. Kennedy, sondern Barack Obama. Aber sowohl er selbst als auch seine Frau Michelle sind echte Vorbilder, was Fitness angeht. Quelle: Pixabay