Es ist mehr als Kalorien

Wir alle wissen inzwischen, dass wir zunehmen, wenn wir mehr Kalorien essen als verbrauchen.

Aber wenn das alles ist, warum spielen Stress und Schlafmangel eine so wichtige Rolle?

Beides hat keine Kalorien, wir essen es nicht und trotzdem haben Stress und Schlafmangel einen heftigen Einfluss auf Hunger, Fressattacken oder unsere Motivation uns zu bewegen.

Es ist also doch nicht so einfach zu erklären: negative Kalorienbilanz und gut ist. Die Waage muss weniger anzeigen.

Stimmt leider nicht: unser Körper ist eine hochkomplexe biochemische Maschine, die sich nicht mit einer einfachen Gleichung berechnen lässt. Siehe Blog Artikel

 

Es ist mehr als Willenskraft

Wenn jemand sagt, dass Übergewichtige Leute faul sind, ist das beleidigend und falsch. Anzunehmen, dass übergewichtige Menschen nur deshalb keine Erfolge sehen, weil sie nicht „compliant“ sind und den Diätanweisungen (welche auch immer das sein mögen) nicht folgen, ist kurzsichtig.

Jeder Forscher wird bestätigen, dass es viele Dinge gibt, die wir noch nicht erklären können.

Um Übergewicht zu verstehen, muss man sich die Genetik anschauen, die individuellen Stoffwechseleigenschaften, psychologische Eigenschaften wie Stress Resilienz und das soziale Umfeld. Aber auch die ethnische Herkunft scheint eine Rolle zu spielen: Menschen im polynesischen Raum scheinen von Hause aus viel üppiger zu sein, als zum Beispiel die Masai, die sehr schlank und langgliedrig sind.

Die Formel, die es erklärt

(Fett + Zucker) X Stress = mehr Gewicht

Klar, hört sich simpel an, aber was steckt dahinter?

In verschiedenen Versuchen hat man rausgefunden, dass diese Kombination den natürlichen Hunger/Sättigungsmechanismus komplett außer Kraft setzt.

Bei Versuchen, wo nur Fett oder nur Zucker gefüttert wurde, hat dieser Sättigungsmechnismus irgendwann eingesetzt, aber nicht bei der Zucker/Fett Kombination. Bei Ratten.

Aber man hat auch eine ähnliche Studie mit Menschen gemacht: die Versuchspersonen waren für 7 Tage isoliert, hatten aber so viel zu Essen, wie sie wollten.

Nutella = Zucker und Fett

Zucker und Fett – die Hauptbestandteile von Nutella

 

Das gleiche Ergebnis: die Zucker/Fett Gruppe hat am Tag ungefähr 1000 Kalorien mehr gegessen, als Vergleichsgruppen und dementsprechend zugenommen. Über den ethischen Wert solcher Versuche habe ich meine eigene Meinung, aber es ist für die Wissenschaft. Es gab mehr Studien in dieser Richtung, alle kamen zum gleichen Ergebnis.

Man fand heraus, dass 3 Neuropeptide die vom Hypothalamus gesteuert werden. Neuropeptide Y (NPY) and Agouti related peptide (AGRP)stimulieren den Appetit.  Proopiomelanocortin (POMC). sorgt für die Sättigung.

Die Hormone Ghrelin und Leptin speilen hier auch eine Rolle, aber das geht dann zu weit in die Biochemie.

 

Warum ist Stress so schlimm?

Wenn wir Stress noch hinzunehmen, fallen mir einige Stresshormone ein: die Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin etc) und Kortisol ein.

Diese Hormone sollen uns leistungsfähiger machen und sicherstellen, dass Energiereserven bereitstehen. Leider wird aber auch bei Stress mehr NPY ausgeschüttet, das für Dauerhunger sorgt. Schlimmer noch: in Verbindung mit Kortisol werden die Zellen erst richtig gut darin, die Fettzellen zu vergrößern.

 

Was heißt das jetzt für mich?

Wichtig zu wissen: die Kombination Zucker/Fett ist besonders schädlich, weil sie durch Hormone unser natürliches Sättigungsgefühl außer Kraft setzt.

Gesund ist diese Kombination ja sowieso nicht, also für jeden, der sein Gewicht im Auge behält, unbedingt vermeiden.

Stress ist natürlich ein zusätzlicher Faktor: hier müssen wir bei uns selbst anzusetzen und Strategien zu erarbeiten, die uns widerstandsfähig gegen negativen Stress machen.

Deswegen sind Stressmanagement und Schlafgewohnheiten auch ein so wichtiger Punkt bei meinen Kursen.

Mehr Information zum Thema Stress und Gewicht findest Du hier: Blogartikel: Wie Stress dick macht

Oder vereinbare ein Gespräch um zu erfahren, was Du tun kannst: Online Terminbuchung

Falls Du ein Nutella Fan bist, gibt es eine Abkürzung, um sich das abzugewöhnen. Schau Dir dieses Video an:

Weitere Quellen:

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  2. Rising et al. Food intake measured by an automated food-selection system: relationship to energy expenditure. Am J Clin Nutr. 1992 Feb;55(2):343-9.
  3. Larson et al. Spontaneous overfeeding with a ‘cafeteria diet’ in men: effects on 24-hour energy expenditure and substrate oxidation. Int J Obes Relat Metab Disord. 1995 May;19(5):331-7.
  4. Larson et al. Ad libitum food intake on a “cafeteria diet” in Native American women: relations with body composition and 24-h energy expenditure. Am J Clin Nutr. 1995 Nov;62(5):911-7.
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